Online-Prüfungen durchführen: Methoden, Tools und rechtliche Hinweise

Meeyra Team17 Min. Lesezeit014. September 2026

Online-Prüfungen führen Sie rechtlich sauber durch, wenn drei Punkte stimmen: Die Prüfungsordnung erlaubt das Format, die Methode passt zum Prüfungsziel, und die Aufsicht bleibt datensparsam. Eine Ausweiskontrolle vor der Kamera ist üblich, Raumschwenk, Aufzeichnung und Gesichtserkennung sind dagegen in der Regel unzulässig.

Der Druck auf klassische Formate wächst. In einer bundesweiten Befragung der Hochschule Darmstadt mit 4.910 Studierenden gaben 91,6 % an, KI-Tools für ihr Studium zu nutzen; 2023 waren es 63,2 % (h_da, 2025). Die Studie beruht auf einer selbst ausgewählten Stichprobe und ist nicht vollständig repräsentativ, der Trend ist dennoch eindeutig. Laut HFD KI-Monitor 2025 befassen sich 97 % der Hochschulen mit den Auswirkungen von KI auf Prüfungen, aber nur 43 % haben ihre Prüfungsordnungen angepasst (CHE, 2025).

Dieser Leitfaden zeigt, was eine Online-Prüfung leisten muss, welche sieben Methoden sich eignen, welche Tools zu welcher Stufe passen, wie eine mündliche Online-Prüfung per Video abläuft und welche Regeln aus Landesrecht, DSGVO und KI-Verordnung Sie kennen sollten.

Inhaltsverzeichnis

Was eine Online-Prüfung leisten muss

Jede Prüfung beantwortet eine Frage: Welcher Nachweis zeigt, dass eine Person die Kompetenz wirklich beherrscht? Eine Online-Prüfung muss zusätzlich belegen, dass dieser Nachweis unter den festgelegten Bedingungen von der geprüften Person selbst stammt.

Unterscheiden Sie deshalb zuerst zwei Arten von Leistungsnachweisen.

  • Formative Lernstandskontrollen begleiten das Lernen. Kurze Quizze, Exit-Tickets und Übungsaufgaben zeigen, wer Unterstützung braucht. Sie fließen kaum in die Note ein, deshalb lohnt sich Täuschung wenig.
  • Summative Prüfungen stehen am Ende. Klausur, Hausarbeit und benotete Präsentation entscheiden über Noten und Abschlüsse, entsprechend steigt der Anreiz zur Täuschung.
Kurze Tests messen nicht nur, sie fördern das Lernen. Eine Meta-Analyse in Psychological Bulletin wertete Daten von 48.478 Lernenden aus 222 Studien im Unterricht aus und fand einen mittleren Effekt von g = 0,499 auf die Leistung (Yang u. a., 2021). Rückmeldung und Wiederholung beeinflussten die Stärke des Effekts.

Daraus folgt eine einfache Regel: Setzen Sie den Aufwand für Aufsicht und Datenschutz dort ein, wo die Prüfung über Noten entscheidet. Ein Fünf-Fragen-Quiz braucht keinen gesicherten Browser. Eine Modulprüfung braucht ein Format, das auch dann aussagekräftig bleibt, wenn im Nebenfenster ein Chatbot geöffnet ist.

Sieben Methoden für Online-Prüfungen

Keine Methode deckt alle Lernziele ab. Die folgende Übersicht zeigt, was jede Form gut misst und wo ihre Grenzen liegen.

1. Automatisch ausgewertete Tests und Quizze

Multiple-Choice-, Zuordnungs- und Kurzantwortaufgaben werten sich selbst aus und geben sofort Rückmeldung. Sie eignen sich für Fachbegriffe, Faktenwissen und Rechenverfahren. Ihre Schwäche liegt auf der Hand: Viele Antworten lassen sich suchen oder generieren. Nutzen Sie solche Tests formativ, ziehen Sie Fragen zufällig aus einem großen Pool und verwenden Sie die Ergebnisse zur Unterrichtsplanung.

2. Open-Book-Klausur und Take-Home-Prüfung

Open-Book-Formate erlauben Hilfsmittel und stellen Aufgaben, die sich mit Hilfsmitteln allein nicht lösen lassen. Statt „Definieren Sie Osmose" fragen Sie, warum eine bestimmte Pflanze im Versuch der Lerngruppe welkte. Beziehen Sie Aufgaben auf eigene Messdaten, einen regionalen Fall oder eine Diskussion aus der Sitzung. Die Datenschutzaufsicht in NRW nennt Open-Book-Formate zudem die datensparsamste Variante (LDI NRW, 2022).

3. Hausarbeit, Projekt und Portfolio mit Prozessnachweis

Projekte zeigen Kompetenz über einen längeren Zeitraum. Der wichtigste Hebel für Redlichkeit ist der Prozess: Gliederung, Entwürfe, Versionsverlauf, Laborprotokoll und kurze Reflexionen zu festen Zwischenterminen. Wer den Weg mitbewertet, erkennt eine glatte Endfassung ohne Vorgeschichte schnell.

4. Mündliche Prüfung per Videokonferenz

Ein Gespräch macht Denkwege sichtbar. Sie stellen eine Frage, hören die Antwort und haken an der schwachen Stelle nach. Für große Kohorten ist das aufwendig, doch ein Kolloquium von zehn Minuten zu einer eingereichten Arbeit klärt die Urheberschaft zuverlässig. Eine Studie an einer australischen Universität zeigte, dass aufeinander aufbauende Aufgaben mit abschließender interaktiver mündlicher Prüfung akademisches Fehlverhalten verringern und Kommunikationskompetenz stärken (Sotiriadou u. a., 2020).

5. Aufgezeichnete Video- oder Audioantworten

Asynchrone Aufnahmen eignen sich für Erklärvideos, Leseproben oder Instrumentalvorträge. Sie helfen, wenn Stundenpläne oder Bandbreite eine Live-Sitzung erschweren. Legen Sie ein kurzes Zeitfenster fest und zeigen Sie die Aufgabe erst beim Start. Da Lernende selbst Aufnahmen erzeugen, gehören Speicherort und Löschfrist in die Datenschutzinformation.

6. Peer- und Selbstbewertung

Lernende bewerten Arbeiten anderer anhand eines Bewertungsrasters und schätzen danach die eigene Leistung ein. Das schärft den Blick für Qualität und entlastet Sie in der Entwurfsphase. Die Note bleibt Aufgabe der Lehrkraft; die KMK betont, dass Leistungsbewertung eine pädagogische und hoheitliche Aufgabe von Lehrkräften bleibt (KMK, 2024).

7. Fernklausur mit Videoaufsicht (Proctoring)

Bei der Fernklausur überwachen Aufsichtspersonen die Prüflinge per Kamera und Mikrofon, teils ergänzt durch gesicherte Browser oder Software. Das Format passt zu standardisierten Wissensprüfungen, deren Form sich nicht ändern lässt. Es verursacht aber den höchsten Aufwand und die meisten Datenschutzfragen; die Abschnitte zu Recht und DSGVO behandeln das ausführlich.

Methoden, Tools und Stufen im Vergleich

Die Tabelle dient als Ausgangspunkt. Die genannten Tools sind Beispiele für die jeweilige Kategorie mit Stand September 2026, keine Empfehlung. Klären Sie vor jedem Einsatz Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag und Löschkonzept. Einen breiteren Überblick über Unterrichtswerkzeuge finden Sie in unserem Beitrag zu digitalen Tools für den Unterricht.

MethodeMisst am bestenBeispiel-ToolsStufeTäuschungsrisiko durch KI
Automatisch ausgewerteter TestWissen, Begriffe, VerfahrenMoodle-Test, ILIAS-Test, Kahoot!, Wayground (früher Quizizz)Grundschule bis HochschuleHoch, daher formativ nutzen
Open-Book-KlausurAnwendung, AnalyseZeitlich begrenzte LMS-AufgabeOberstufe, HochschuleMittel, mit lokalem Bezug geringer
Hausarbeit, Projekt, PortfolioKompetenz über ZeitGeteilte Dokumente mit Versionsverlauf, LMS-PortfolioSek I bis HochschuleMittel, mit Entwurfsbewertung geringer
Mündliche Prüfung per VideoVerständnis, Urheberschaft, SpracheVideokonferenzdienst mit ModerationsrechtenSek I bis HochschuleGering
Aufgezeichnete AntwortErklären, Vortragen, VorlesenLMS-Videoaufgabe, Smartphone-AufnahmeGrundschule bis OberstufeGering bis mittel
Peer- und SelbstbewertungKritikfähigkeit, BewertungsrasterLMS-Modul für Peer-ReviewSek I bis HochschuleGering (formativ)
Fernklausur mit VideoaufsichtStandardisierte WissensprüfungSafe Exam Browser, Videoaufsicht durch PersonalHochschule, ZertifikateGeringer, aber hoher Datenschutzaufwand

Zwei Muster fallen auf. Die Formate mit dem geringsten KI-Risiko beziehen die Stimme oder den sichtbaren Arbeitsprozess der Lernenden ein. Und automatisch ausgewertete Tests bleiben das effizienteste formative Werkzeug, sollten aber selten allein über eine Note entscheiden. An Schulen gilt zusätzlich: In NRW finden Klassenarbeiten, Klausuren und Prüfungen im Präsenzunterricht statt, auch wenn Distanzunterricht Teil der Leistungsbewertung ist (Distanzunterrichtsverordnung NRW, § 6).

Mündliche Online-Prüfung in acht Schritten

Die mündliche Online-Prüfung ist das verlässlichste Format, um Verständnis und Urheberschaft zu prüfen. Die Leitfäden der Hochschulen und die Verordnungen in Bayern und NRW beschreiben einen recht einheitlichen Ablauf.

  1. Rechtsgrundlage prüfen. Die Prüfungsordnung muss die mündliche Prüfung per Videokonferenz vorsehen. Informieren Sie die Prüflinge schriftlich über Ablauf, Dauer, Bewertungskriterien und Datenverarbeitung.
  2. Technikcheck anbieten. Ein Testtermin einige Tage vorher klärt Kamera, Mikrofon und Verbindung. Das senkt die Nervosität und verhindert Abbrüche.
  3. Identität datensparsam prüfen. Die Prüfperson zeigt einen amtlichen Lichtbildausweis in die Kamera. Screenshots oder Kopien des Ausweises sind nach den Leitfäden der FernUniversität Hagen und der TU Berlin nicht vorgesehen (FernUni Hagen, Leitfaden).
  4. Auf Raumschwenk verzichten. Die LDI NRW bewertet den anlasslosen 360-Grad-Schwenk als unangemessenen Eingriff, der LfDI Baden-Württemberg hält den Kameraschwenk durch das Zimmer sogar in Verdachtsfällen für unzulässig (LfDI BW).
  5. Nicht aufzeichnen, sondern protokollieren. BayFEV und HDVO NRW untersagen die Aufzeichnung. Die wesentlichen Inhalte hält die prüfende oder beisitzende Person im Protokoll fest.
  6. Raumregeln vorab setzen. Deaktivieren Sie Chat und Bildschirmfreigabe der Teilnehmenden, sofern die Aufgabe sie nicht erfordert. In Sprachprüfungen bleibt die Live-Übersetzung aus.
  7. Störungen regeln. Bricht die Verbindung ab, wird die Prüfung nach Behebung fortgesetzt oder später wiederholt. Nach der BayFEV gilt ein abgebrochener schriftlicher Prüfungsversuch als nicht vorgenommen, sofern der Prüfling die Störung nicht verursacht hat.
  8. Direkt bewerten. Füllen Sie Protokoll und Bewertungsraster unmittelbar nach dem Gespräch aus, bevor die nächste Prüfung beginnt.
Ein browserbasierter Dienst hält die Hürde niedrig, weil Prüflinge über einen Link ohne Installation beitreten. In Meeyra legen Sie als Host in den Raumregeln fest, ob Teilnehmende Chat, Bildschirmfreigabe und Übersetzung nutzen dürfen. Im kostenlosen Tarif sind Gespräche zu zweit unbegrenzt; mit Beisitz, also ab drei Personen, gilt ein 45-Minuten-Limit pro Meeting. Wie ein Unterrichtsraum funktioniert, zeigt unsere Seite zur Videokonferenz für Bildung. Wenn Sie noch eine Plattform auswählen, hilft der Vergleich der BigBlueButton-Alternativen, und für einen klaren Ton im Prüfungsgespräch lohnt ein Blick auf die Ausstattung für den Online-Unterricht.

Rechtlicher Rahmen an Hochschulen und Schulen

Für Online-Prüfungen gibt es kein bundesweit einheitliches Gesetz. Maßgeblich sind die Grundrechte, das jeweilige Landesrecht und die Prüfungsordnung Ihrer Einrichtung. Die folgenden Beispiele zeigen die typischen Regeln; prüfen Sie für Ihr Bundesland die geltende Fassung.

Chancengleichheit und Nachteilsausgleich

Das Prüfungsrecht folgt dem Gebot der Chancengleichheit aus Art. 3 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 GG. Das Bundesverwaltungsgericht stellte klar, dass daraus Ansprüche auf geänderte Prüfungsbedingungen folgen, etwa mehr Bearbeitungszeit, aber keine Ansprüche auf einen milderen Bewertungsmaßstab (BVerwG, 6 C 35.14). Für Online-Prüfungen heißt das: Technische Hürden dürfen einzelne Prüflinge nicht benachteiligen.

Bayern: BayFEV gilt bis Ende 2027

Die Bayerische Fernprüfungserprobungsverordnung ist weiterhin in Kraft und tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2027 außer Kraft (BayFEV). Die zentralen Regeln:

  • § 5: Authentifizierung mit gültigem Lichtbildausweis, ohne Speicherung über das technisch Nötige hinaus.
  • § 6: Kamera und Mikrofon bleiben an, eine darüber hinausgehende Raumüberwachung findet nicht statt; automatisierte Auswertung und Aufzeichnung sind unzulässig.
  • § 7: In mündlichen Prüfungen protokolliert eine prüfende oder beisitzende Person die wesentlichen Inhalte.
  • § 8: Die Teilnahme ist freiwillig, abgesichert durch eine termingleiche Präsenzprüfung als Alternative.
  • § 9: Technische Störungen führen je nach Format zu Abbruch ohne Wertung, Fortsetzung oder Wiederholung.

Nordrhein-Westfalen: Hochschulgesetz und HDVO

Nach § 64 Abs. 2 des Hochschulgesetzes kann die Prüfungsordnung Online-Prüfungen vorsehen und muss dabei Bestimmungen zum Datenschutz treffen (HG NRW). Die Hochschul-Digitalverordnung konkretisiert das: Ausweiskontrolle ohne Speicherung (§ 20), Videoaufsicht ohne Raumüberwachung, Aufzeichnung oder automatisierte Auswertung (§ 21), mündliche Prüfung mit Protokoll (§ 22) und Regeln für Störungen (§ 23) (HDVO NRW). Anders als in Bayern sieht die HDVO kein Wahlrecht auf eine Präsenzprüfung vor; stattdessen muss nach § 18 grundsätzlich der Studienbeirat zustimmen.

Auch die Folgen einer Täuschung sind in NRW deutlich geregelt. Nach § 63 Abs. 5 HG handelt ordnungswidrig, wer vorsätzlich gegen die Täuschungsregeln einer Prüfungsordnung verstößt; die Geldbuße kann bis zu 50.000 Euro betragen. Bei mehrfachen oder schwerwiegenden Täuschungsversuchen ist zudem die Exmatrikulation möglich.

Schulen: Leistungsbewertung bleibt bei der Lehrkraft

An Schulen regeln die Länder die Leistungsbewertung in Schulgesetzen und Verordnungen. In NRW erstreckt sich die Bewertung auch auf Inhalte aus dem Distanzunterricht, Klassenarbeiten und Klausuren finden aber in Präsenz statt. Die KMK hält in ihrer Handlungsempfehlung zu KI fest, dass Prüfungsformate, die die eigenständige Leistung juristisch nicht einwandfrei sicherstellen, abgeschafft oder grundlegend weiterentwickelt werden. Online-Formate an Schulen eignen sich daher vor allem für Lernstandskontrollen, Präsentationen und Kolloquien zu Projektarbeiten.

Datenschutz: Was die DSGVO beim Proctoring erlaubt

Bei jeder Online-Prüfung verarbeiten Sie Bild, Ton und oft Bildschirminhalte. Drei Vorschriften der DSGVO stehen im Mittelpunkt: Art. 9 untersagt grundsätzlich die Verarbeitung biometrischer Daten zur eindeutigen Identifizierung, Art. 22 schützt vor ausschließlich automatisierten Entscheidungen, und Art. 35 verlangt bei neuen Technologien mit hohem Risiko eine Datenschutz-Folgenabschätzung.

Die Gerichte. Das OVG Nordrhein-Westfalen lehnte 2021 einen Eilantrag gegen die Aufzeichnung und Zwischenspeicherung bei der Videoaufsicht an der FernUniversität Hagen ab, ließ die datenschutzrechtliche Frage aber ausdrücklich offen und bezeichnete die Erfolgsaussichten in der Hauptsache als offen (OVG NRW, 14 B 278/21.NE). Auch das OVG Schleswig-Holstein lehnte 2021 einen Antrag gegen die Videoaufsicht an der Universität Kiel als unzulässig ab und hielt den Eingriff mit Blick auf die Chancengleichheit für gerechtfertigt (OVG Schleswig, 3 MR 7/21). Deutlicher wurde 2025 das Thüringer Oberlandesgericht: Es verurteilte die Universität Erfurt zu 200 Euro immateriellem Schadensersatz, weil eine Gesichtserkennung bei Fernklausuren biometrische Daten ohne wirksame Einwilligung verarbeitete. Die Wahl der Prüfung außerhalb des Campus sei weder eine konkludente noch eine ausdrückliche Einwilligung; einen Verstoß gegen Art. 22 DSGVO sah das Gericht dagegen nicht (Thüringer OLG, 3 U 885/24).

Die Aufsichtsbehörden. Die Handreichung der LDI NRW zu Online-Prüfungen hält die Verarbeitung biometrischer Daten für unzulässig, lehnt Screenshots von Ausweisen und eine anlasslose Daueraufzeichnung ab und hält automatisierte oder KI-gestützte Überwachung grundsätzlich nicht für zulässig. Sie verlangt eine Datenschutz-Folgenabschätzung und empfiehlt, Prüflingen die Wahl zwischen Prüfung zu Hause und auf dem Campus zu lassen.

Die Fairness. Automatische Aufsicht kann zudem diskriminieren. Eine US-Studie mit rund 357 Studierenden fand, dass eine verbreitete Proctoring-Software Studierende mit dunklerer Hautfarbe signifikant häufiger zur Überprüfung markierte (Yoder-Himes u. a., 2022).

Für die Praxis ergibt sich eine klare Linie: Aufsicht durch Menschen statt Software, Ausweis zeigen statt speichern, Protokoll statt Aufzeichnung, und eine Präsenzalternative, wo immer das organisatorisch möglich ist. Wählen Sie außerdem einen Dienst mit datensparsamer Verarbeitung. Bei Meeyra werden Audio und Video auf dem Übertragungsweg verschlüsselt, und das Audio für die Übersetzung wird in Echtzeit verarbeitet und nicht gespeichert; Details stehen auf unserer Seite zur Sicherheit.

KI-Verordnung: Aufsichtssoftware wird Hochrisiko

Die europäische KI-Verordnung (EU) 2024/1689 stuft KI-Systeme, die das verbotene Verhalten von Lernenden bei Prüfungen überwachen und erkennen sollen, in Anhang III als hochriskant ein. Dasselbe gilt für KI-Systeme zur Bewertung von Lernergebnissen. Seit dem 2. Februar 2025 ist außerdem KI zur Ableitung von Emotionen in Bildungseinrichtungen verboten, abgesehen von medizinischen oder sicherheitsbezogenen Gründen.

Der Digital Omnibus, die Verordnung (EU) 2026/1744, hat den Starttermin verschoben: Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III gelten ab dem 2. Dezember 2027 statt ab August 2026 (Europäische Kommission). Wer heute KI-gestütztes Proctoring einkauft, sollte trotzdem jetzt fragen, wie der Anbieter Risikomanagement, Dokumentation und menschliche Aufsicht bis dahin umsetzt. Die Beschaffung von heute ist das Compliance-Problem von 2027.

Prüfungsdesign im KI-Zeitalter

Täuschung gab es schon vor generativer KI, KI hat sie aber billiger gemacht. Eine systematische Übersichtsarbeit mit 4.672 Teilnehmenden aus 19 Studien ergab, dass 44,7 % der Studierenden selbst angaben, bei Online-Prüfungen getäuscht zu haben; vor der Pandemie waren es 29,9 %, währenddessen 54,7 %. Der häufigste Grund war schlicht die Gelegenheit (Newton und Essex, 2023).

KI verändert auch, was eine gute Hausaufgabe aussagt. In einer randomisierten Studie mit fast 1.000 Schülerinnen und Schülern einer türkischen Oberschule verbesserten Lernende mit Zugang zu einem Standard-Chatassistenten auf Basis von GPT-4 ihre Übungsergebnisse im Fach Mathematik um 48 %. In der anschließenden Prüfung ohne KI schnitt dieselbe Gruppe jedoch 17 % schlechter ab als Lernende, die nie Zugang hatten (Bastani u. a., 2025). Unterstützte und eigenständige Leistung sind zwei verschiedene Dinge, und eine Online-Prüfung muss beide unterscheiden.

Die Rechtsprechung reagiert bereits. Das VG München wertete 2023 im Eilverfahren die Abgabe eines KI-generierten Essays als Täuschungsversuch und ließ einen Anscheinsbeweis genügen (VG München, M 3 E 23.4371). Auch Lehrkräfte arbeiten längst mit KI: Laut Deutschem Schulbarometer 2026 nutzen 52 % der Lehrkräfte KI mehrmals im Monat, ein Jahr zuvor waren es 32 % (Robert Bosch Stiftung, 2026).

Vier Gestaltungsprinzipien machen Online-Prüfungen robuster:

  • Prozess bewerten. Verlangen Sie Exposé, Entwurf und Endfassung sowie eine kurze Sprachnachricht zu einer getroffenen Entscheidung.
  • Lokalen Bezug herstellen. Arbeiten Sie mit eigenen Messdaten, Fällen aus der Region oder Inhalten aus der letzten Sitzung.
  • Mündliche Komponente ergänzen. Koppeln Sie jede größere schriftliche Arbeit an ein kurzes Kolloquium, bei großen Gruppen zumindest stichprobenartig.
  • KI-Regeln je Aufgabe festlegen. Halten Sie fest, ob KI verboten, nur zur Ideenfindung erlaubt oder mit Kennzeichnung zulässig ist, und passen Sie die Eigenständigkeitserklärung an.

Warum KI-Detektoren keine Note begründen sollten

Stanford-Forschende testeten sieben verbreitete GPT-Detektoren an 91 TOEFL-Essays von Menschen, deren Erstsprache nicht Englisch ist. Die Detektoren stuften mehr als die Hälfte dieser menschlichen Texte als KI-generiert ein, die durchschnittliche Falsch-Positiv-Rate lag bei 61,3 % (Liang u. a., 2023). Für mehrsprachige Kohorten ist das ein ernstes Fairnessproblem. Nutzen Sie einen Detektorbefund höchstens als Anlass für ein Gespräch; die Klärung bringt das Kolloquium.

Nachteilsausgleich, Technik und mehrsprachige Lernende

Eine faire Online-Prüfung misst die Kompetenz, nicht die Bandbreite, das Endgerät oder die Familiensprache.

Nachteilsausgleich. Planen Sie verlängerte Bearbeitungszeit, Screenreader-Kompatibilität und Untertitel direkt im Werkzeug ein. Der Anspruch betrifft die Prüfungsbedingungen, nicht den Bewertungsmaßstab.

Technik. Laut Destatis verfügen 94,8 % der Haushalte über einen PC und 98,6 % über einen Internetzugang (Destatis). Ein Haushaltsgerät bedeutet aber nicht, dass jede Schülerin und jeder Schüler zur Prüfungszeit ein eigenes Gerät und einen ruhigen Raum hat. Bieten Sie Zeitfenster statt einer festen Startminute und eine Präsenzalternative an.

Mehrsprachige Lernende. In einer Fachprüfung kann eine dichte Aufgabenstellung auf Deutsch unbeabsichtigt zur Leseprüfung werden. Trennen Sie beide Ziele. In benoteten Prüfungen gilt die Prüfungssprache der Prüfungsordnung; formative Formate lassen mehr Spielraum. Ein Beispiel: Eine Chemielehrerin an einem Kölner Gymnasium betreut drei ukrainische Seiteneinsteiger. Die Klassenarbeit schreiben alle in Präsenz. Vorher führt sie per Video ein unbenotetes Lernstandsgespräch, in dem die Live-Übersetzung Rückfragen auf Ukrainisch überbrückt, während die Fachbegriffe auf Deutsch geübt werden. So erkennt sie, ob eine Lücke im Stoff oder in der Sprache liegt. Für die Abstimmung mit den Eltern hilft unser Beitrag zum Elterngespräch mit Dolmetscher.

Beispiel: Prüfungsplan für ein vierwöchiges Modul

So kombinieren sich die Methoden in einem hybriden Hochschulmodul „Zellbiologie" mit vier Wochen Laufzeit. Passen Sie Gewichtung und Formate an Ihre Prüfungsordnung an.

WocheLeistungMethodeGewichtZweck
1Wöchentliches Kurzquiz mit 5 FragenAutomatisch ausgewerteter Test0 %Fehlvorstellungen früh erkennen
2Mikroskopie-Protokoll mit RohdatenProjekt mit Prozessnachweis20 %Konzepte an echten Beobachtungen anwenden
2Peer-Feedback zu ProtokollentwürfenPeer-Bewertung5 %Bewertungsraster verinnerlichen
3Fallanalyse: Warum starb diese Zelle?Open-Book-Klausur25 %Analyse mit Kursdaten
390-sekündige AudioerklärungAufgezeichnete Antwort10 %Fachsprache im Kontext prüfen
4Zellmodell mit schriftlicher BegründungProjekt25 %Synthese
4Zehnminütiges Kolloquium zum ModellMündliche Online-Prüfung mit Protokoll15 %Urheberschaft und Verständnis sichern

Keine Einzelleistung trägt mehr als ein Viertel der Note, KI-anfällige Formate haben wenig Gewicht, und das Kolloquium bestätigt, dass die größte Arbeit von der Person stammt, die sie eingereicht hat.

Häufig gestellte Fragen

Sind Online-Prüfungen rechtlich zulässig?

Ja, wenn das Landesrecht und die Prüfungsordnung sie vorsehen. In NRW erlaubt § 64 Abs. 2 HG Online-Prüfungen mit Datenschutzregeln, in Bayern regelt die BayFEV Fernprüfungen bis Ende 2027.

Darf eine Online-Prüfung aufgezeichnet werden?

In Bayern und NRW ist die Aufzeichnung von Fernprüfungen unzulässig. Bei mündlichen Prüfungen protokolliert stattdessen eine prüfende oder beisitzende Person die wesentlichen Inhalte.

Ist ein Raumschwenk mit der Kamera erlaubt?

Die Verordnungen in Bayern und NRW schließen eine über Kamera und Mikrofon hinausgehende Raumüberwachung aus. Die LDI NRW hält den anlasslosen 360-Grad-Schwenk für unangemessen, der LfDI Baden-Württemberg lehnt ihn auch in Verdachtsfällen ab.

Ist Proctoring mit Gesichtserkennung DSGVO-konform?

In der Regel nicht. Gesichtserkennung verarbeitet biometrische Daten nach Art. 9 DSGVO, und das Thüringer OLG sprach 2025 einer Klägerin Schadensersatz zu, weil die Wahl der Fernklausur keine wirksame Einwilligung darstellte.

Wie lange sollte eine mündliche Online-Prüfung dauern?

Die Dauer legt die Prüfungsordnung fest. Für ein Kolloquium zu einer eingereichten Arbeit reichen oft zehn Minuten; kündigen Sie die Dauer vorab an und planen Sie Puffer für das Protokoll ein.

Was passiert bei einem technischen Abbruch?

Nach BayFEV und HDVO NRW wird eine mündliche Prüfung nach Behebung der Störung fortgesetzt oder später wiederholt. Der Leitfaden der FernUniversität Hagen stellt klar, dass ein technisch bedingter Abbruch rechtsfolgenfrei bleibt und nicht als Fehlversuch zählt.

Gilt ein KI-generierter Text als Täuschungsversuch?

Das VG München bewertete 2023 die Abgabe eines KI-generierten Essays als Täuschungsversuch. Entscheidend ist, was die Prüfungsordnung und die Aufgabenstellung zur KI-Nutzung festlegen.

So starten Sie in das nächste Semester

Nehmen Sie sich ein Modul oder eine Unterrichtseinheit vor. Ordnen Sie jede Leistung als formativ oder summativ ein, prüfen Sie, welche Aufgaben ein Chatbot allein lösen könnte, und verlagern Sie das Gewicht auf Prozess und Gespräch. Klären Sie Rechtsgrundlage, Datenschutzinformation und Störungsregeln, bevor die erste Online-Prüfung beginnt.

Wenn mündliche Prüfungen und Kolloquien Teil Ihres Plans werden, läuft Meeyra direkt im Browser: Prüflinge treten per Link bei, Sie steuern die Raumregeln, und für Unterrichtsgespräche, in denen Sprache keine Hürde sein soll, steht Live-Übersetzung in 42+ Sprachen bereit. Registrieren Sie sich kostenlos oder vergleichen Sie die Tarife auf der Preisseite.